Israel will in Kooperation mit Google und YouTube palästinensische Videos zensieren

Immer schon war die Kamera die wichtigste ‚Waffe‘ der Palästinenser in den Auseinandersetzungen mit Israel um einen unabhängigen Staat Palästina. Das bezeugte auch der berühmte Dokumentarfilm „Five broken Cameras“, der sogar den International Emmy Award gewann.

Für Israel ist dies natürlich ein Ärgernis, das seine propagandistischen Absichten durchkreuzt. Zahllose heimlich aufgenommene Filme und Videos, die ins Netz gestellt wurden, bezeugen die Brutalität und Menschenverachtung der israelischen Besatzungsmacht den Palästinensern gegenüber; und mehr noch: der israelische Journalist David Sheen dokumentierte auch Israels Rassismus schwarzafrikanischen Flüchtlingen gegenüber.

Transparenz, Netzöffentlichkeit, das ist etwas, was kein unterdrückerisches Regime leiden mag, auch nicht Israel. Während andere Regime, wie z.B. China und Iran, ihr eigenes, staatsinternes, stramm durchzensiertes Netz unterhalten, geht Israel einen anderen Weg, nämlich den, sich um internationalen Zugriff zu bemühen.

Nun hat Israels stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely sich laut einer nur in Hebräisch veröffentlichten Pressemitteilung diese Woche mit Repräsentanten von Google und Youtube getroffen, um die Möglichkeiten einer Kooperation zwecks Zensur palästinensischer Videos auszuloten. Solche Videos würden „zu Gewalt und Terror aufhetzen“. Ein recht durchsichtiges Argument. Die Palästinenser in ihrem besetzten Land brauchen solche Videos nicht; die erleben die Szenen schließlich life. Wie bei allen klassischen Zensurmaßnahmen geht es darum, dass andere, die so etwas nicht erleben und bei denen es sich auch nicht von Mund zu Mund herum sprechen kann, davon nichts erfahren – im Zweifel bis hin zum Internationalen Strafgerichtshof; der nämlich interessiert sich auch dafür.

Verwundern sollte dies keinen, erscheint doch zur Zeit niemand als üblerer Zensor als Israel und das weltweit. Seine Lobby entfesselt überall da einen Shitstorm, wo jemand mit Israelkritik vorwitzig den Kopf heraus streckt; der Antisemitismus-Vorwurf ist unausweichlich, jüngstes Beispiel in Deutschland: Xavier Naidoo.

Hotovely behauptet, Google habe zugestimmt, die Beziehungen zu Israels Außenministerium zu intensivieren und Strukturen zu errichten, durch die beide Parteien Partner bei der Überwachung und Zensur des veröffentlichten Materials werden könnten. Etliche Journalisten bezeichneten dies bereits als einen direkten Angriff auf die Pressefreiheit.

Mit der ist es in Israel ohnehin schlecht bestellt, denn alle ausländischen Journalisten, die aus den besetzten Gebieten berichten, müssen sich beim israelischen Militär registrieren und ihr Filmmaterial vor Veröffentlichung von der israelischen Militärzensur freigeben lassen.

IMEMC

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Die Kämpfe in Palästina im Monat Oktober 2015

Am 2. November gab das palästinensische Gesundheitsministerium seine Statistik heraus. Danach sind seit dem 1. Oktober 74 Palästinenser von der israelischen Besatzungsarmee erschossen und 2.355 verletzt worden. Unter den Toten sind 17 Kinder und zwei Frauen; 56 kamen von der West Bank, 17 waren aus dem Gaza-Streifen und einer aus dem Negev.

Die Verwundeten sind mit scharfer Munition und gummiummantelten Geschossen verletzt worden. Hinzu kommen Knochenbrüche und Blutergüsse bei denen, die von der Besatzungsarmee oder paramilitärischen Siedlern krankenhausreif geschlagen wurden.

Hinzu kommen über 5.000 Palästinenser, die wegen Tränengasverletzungen behandlungsbedürftig waren.

Am 30. Oktober starb ein Baby an seiner Tränengasverletzung, einen Tag, nachdem israelisches Militär durch ein Viertel in Bethlehem fuhr und per Lautsprecher verkündete: „Wir vergasen euch, bis ihr alle tot seid“.

Im gleichen Zeitraum wurden, soweit bekannt, 8 Israelis getötet. Ursprünglich hieß es, 10, es stellte sich jedoch heraus, dass zwei bei Autounfällen ums Leben kamen.

Das Zahlenverhältnis spricht für sich, man muss es nicht mehr kommentieren.

Selbstverständlich behauptet die Besatzungmacht, die toten Palästinenser seien alle böse Messerstecher gewesen. Doch abgesehen davon, dass die Anzahl der israelischen Opfer eine andere Sprache spricht, wurden inzwischen per Video auch Fälle nachgewiesen, in denen eine Messer erst nachträglich neben den Toten platziert wurde. Hier sollte man also skeptisch sein.

Eine Statistik gab auch das palästinensische Informationsministerium GMO heraus. Danach kam es im Oktober zu 89 Übergriffen gegen Journalisten in Palästina, die gem. Resolution 2222 des UN-Sicherheitsrates untersagt sind. Zu den Übergriffen zählten Schießen mit scharfer und gummiummantelter Munition, physische Angriffe, Festnahmen und Verbannen vom Ort des Geschehens. Internationales Aufsehen erregte ein Tränengasangriff auf das Team von RT.  detaillierte Auflistung der Übergriffe 

Inzwischen ist Israel dazu übergegangen, in Palästina ganze Rundfunkanstalten zu verwüsten und ihnen wegen angeblicher Aufwiegelung das Senden zu verbieten. Es sei daran erinnert: das findet nicht in Israel statt, sondern im von den meisten UNO-Staaten anerkannten Palästina.

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Pressemitteilung

Montag,, 12. Oktober 2015

ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG

Kontakt: Alexandra Halaby, IMEMC Medien Liaison

(US) +1 618 559 3477 | alexandra@imemcpalestine.org

In den frühen Morgenstunden des Sonntags, 11. Oktober 2015 brach israelisches Militär in das Büro des Internationalen Middle East Media Center in Beit Sahour in den besetzten palästinensischen Gebieten ein, ebenso in einige benachbarte Häuser und Geschäfte. Das Büro befindet sich in der Zentrale des palästinensischen Zentrums für Annäherung (Palestinian Center for Rapproachement PCR), der Organisation, die die IMEMC im Jahr 2003 gegründet hat.

Da der Einbruch am Sonntag Morgen um 04.00 Uhr geschah, war kein Personal im Gebäude. Die Soldaten brachen die Schlösser auf, schlugen Türen ein, durchsuchten den Raum der IMEMC und beschädigten Anlagen. Es ist derzeit unklar, welche Unterlagen oder Gegenstände mitgenommen wurden, aber wir arbeiten an der Schadensaufnahme und werden Sie entsprechend informieren.

Die militärische Invasion von unserem Büro  steht in einer Reihe kontinuierlicher Cyber-Angriffe auf die IMEMC Webseite, die sich seit dem 14. September 2015 intensiviert haben und die seitdem ununterbrochen fortgesetzt werden. Unsere Webseite hat es mit Hilfe von irischen und kanadischen Cyber-Aktivisten der Organisation Equalit.ie geschafft, wieder online zu gehen.

Die IMEMC ist die führende englischsprachige Nachrichten-Website, die sich ausschließlich auf die Israel-Palästina-Frage konzentriert. Sie hat im Durchschnitt zwischen 900.000 und 1,5 Millionen Einzelzugriffe auf die Webseite pro Monat. Die Weigerung, Zuschüsse, die mit der redaktionelle Kontrolle über unsere Inhalte verbunden wären, zu akzeptieren, um dadurch als unabhängige Website  erhalten zu bleiben, hat für unsere Mitarbeiter zum Verlust ihrer Gehälter geführt. Derzeit erhält jeder, der für die Organisation arbeitet, kein oder höchstens teilweise Gehalt, und das seit Jahren; aber wir leisten diese Arbeit, weil wir wir uns für eine objektive, faktenbasierte Berichterstattung über Israel und Palästina für ein primär englischsprachiges Publikum leidenschaftlich einsetzen.


Die IMEMC verurteilt scharf den Einbruch in unser Büro und in die benachbarten Häuser und Geschäfte durch das israelische Militär und alle Angriffe der israelischen Armee gegen Medien, zu denen es im letzten Monat der Eskalation gekommen ist.

Das Internationale Middle East Media Center hat einen Unterstützungs-Aufruf gestartet, um die Kosten für die Behebung der Schäden im Büro zu decken und um vom bestehenden kommerziellen Web-Hosting-Anbieter zu einem Dienst umziehen zu können, der Erfahrung mit der Abwehr von Cyber-Angriffen hat.

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Freitag, 09.10.2015

Wegen seiner Brutalität und Verlogenheit kommt Israel international immer mehr unter Druck.

Inzwischen ist ein weiteres Video aufgetaucht, dass die Behauptung widerlegt, der 19-jährige Palästinenser Fadi Alloun, der letzten Sonntag in Jerusalem von der israelischen Polizei erschossen wurde, habe mit dem Messer angegriffen und sei eine Gefahr gewesen. Tatsächlich wurde er vom israelischen Mob gejagt, der die Polizei drängte, ihn zu erschießen; dem folgte sie – und fragte erst danach, was eigentlich los sei.

Ebenso per Video (Vorsicht! Grausam!) wurde Israel hinsichtlich der Erschießung einer 19-jährigen Palästinenserin in der Nähe Nazareths überführt. Dieses Video zeigt ganz klar, dass die junge Frau mit erhobenen Händen da stand und zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr darstellte, vielmehr kaltblütig geschossen wurde.
Israel behauptete, die junge Palästinenserin habe mit einem Schraubenzieher gestochen.
Ihr Tod wurde noch nicht offiziell bestätigt.

Auch die Washington Post veröffentlichte gestern das AFP-Video, das israelische Undercover-Agenten zunächst als Teilnehmer einer palästinensischen Protestdemonstration zeigt und dann, wie die Israelis sich urplötzlich gegen die Demonstranten wenden, auf sie schießen bzw. sie brutal zusammen schlagen.

Als „absehbare Folgen einer verfehlten Politik“ bezeichnet der Schweizer Tagesanzeiger die Aufstände in Palästina und kreidet Israel schonungslos seine Verfehlungen bis hin zu Kriegsverbrechen an.

Selbst die Times of Israel weist dem Netanyahu-Regime Lügen in Sachen Siedlungspolitik nach, indem sie Verteidigungsminister Ya’alon zitiert: „‚Der (Siedlungs-) Bau in Judäa und Samaria war nicht mal für eine Minute eingefroren … Wir bauten in der Vergangenheit. Wir bauen in der Gegenwart. Wir werden in Zukunft bauen“.
In der gegenwärtigen Lage empfehle es sich allerdings nicht, darüber zu reden,. Die internationale Gemeinschaft konzentriere sich auf den ‚Kampf gegen den Terror‘ und dabei solle man es belassen.
Genau diesen Fokus, so die Times of Israel, propagiere auch die israelische Regierung.

Radikale Siedler randalierten gestern Nacht im gesamten Westjordanland, warfen Steine

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Bewaffneter israelischer Siedler in der Westbank. Foto: Palestine Today TV

auf Häuser, versuchten, sie zu stürmen, wobei sie aber von den Bewohnern zurück geschlagen wurden, sperrten Straßen und attackierten palästinensische Autos.
In der Jerusalemer Altstadt versuchten radikale Siedler palästinensische Häuser anzugreifen. Als die israelische Polizei sie daran zu hindern suchte, stießen sie mit dem Einsatzleiter zusammen.

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Jerusalem Post von heute

Die Altstadt von Jerusalem ist geschlossen. Zum heutigen Freitagsgebet in el-Aqsa dürfen nur Männer über 50.
Der Bürgermeister von Jerusalem forderte jüdische Israelis, die eine Waffe besitzen, auf, diese auch zu tragen: „Zivilisten mit operationaler Kampferfahrung können helfen, Terrorangriffe zu verhindern und das Vertrauen der Bewohner zu fördern.“

Vier palästinensische Arbeiter wurden heute Morgen durch den Messerangriff eines Siedlers verletzt.
Der Täter wurde selbstverständlich nicht umgehend erschossen, sondern festgenommen und seine Tat von den Behörden nicht als Terrorismus, sondern als „politisch motiviert“ bezeichnet.
Währenddessen berichten Bauern, dass mit Beginn der Olivenernte die zerstörerischen Siedlerangriffe auf Olivenbäume zunehmen.

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Heutige Proteste wegen der Vorgänge in Jerusalem und der Westbank an Gazas Grenze.

Lebensgefährlich verletzt wurde heute Mittag ein palästinensischer Jugendlicher aus Hebron am Eingang zur illegalen Siedlung Kiryat Arba. Nach unbestätigten Meldungen ist er aus einer Familie, die dort ihr Haus stehen hat.
Der Behauptung der israelischen Polizei, er habe mit dem Messer angegriffen, widersprachen Augenzeugen. Sie beschuldigten die israelischen Soldaten auch, sie hätten den verletzten Jugendlichen blutend liegen lassen und eine Versorgung durch palästinensische Sanitäter verhindert.
Inzwischen wurde bekannt, dass der Palästinenser starb.
Die Umstände eines weiteren am Mittag verletzten Palästinensers sind noch unklar.

Fünf Palästinenser, darunter ein 15-jähriger, wurden heute an den Grenzanlagen zu Gaza in zwei verschiedenen Protestdemonstrationen von israelischen Soldaten erschossen.

Bei den Freitagsdemonstrationen gegen die Mauer in Bil’in, Ni’lin und Nabi Saleh erlitt ein Jugendlicher einen Bauchschuss mit scharfer Munition. Etliche Bewohner mit Tränengasverletzungen wurden behandelt.

Offiziell gab das palästinensische Gesundheitsministerium sechs Tote und 83 Verletzte auf palästinensischer Seite vom heutigen Freitag bekannt.

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Donnerstag, 08.10.2015

Video 1

Video: von den Siedlern (links) provoziert, treffen sich Bürger von Hebron (rechts) zu Sprechchören

Video 2

Video: israelische Siedlerin beim Angriff

Ein aufschlussreiches Video haben internationale Beobachter von einer Razzia im palästinensischen Hebron Mittwoch Nacht gedreht, bei der sich hemmungslose israelische Siedler unter dem Schutz der Armee austoben konnten.
Insbesondere die von Internationalen geführte Kamera gefiel einer bereits berüchtigten Siedlerfamilie nicht: eine Frau schlug die Kamerafrau und als diese sich bei einem israelischen Soldaten beschwerte – verwies er sie ihres Platzes.

Donnerstag Morgen lief nach israelischen Berichten ein 19-jähriger Palästinenser in Tel Aviv Amok. Er stach mit einem Messer auf einen weiblichen Soldaten ein und verletzte sie schwer. Dann soll er ihre Waffe entwendet haben und damit in ein nahes Shopping-Center gerannt sein, wo er drei weitere Israelis mit dem Messer verletzt habe, bevor er von der israelischen Polizei erschossen wurde.

Donnerstag Mittag wurde lt. israelischen Berichten ein 15-jähriger Palästinenser verhaftet, nachdem er mit seinem Messer einen Sicherheitsmann leicht und einen anderen Israeli schwer verletzt habe.

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Israelische Soldaten beschießen Wohnhäuser in Ramallah mit Tränengas. Foto: WAFA, 08.10.2015

Der palästinensische Rote Halbmond gab Donnerstag Abend bekannt, dass bei den Unruhen in der Westbank seit dem Morgen 94 Personen verwundet wurden, mindestens 20 gekidnappt. Fünf der Verwundeten wurden von scharfer Munition getroffen, die die Besatzungsarmee auf die Protestierenden feuerte.

Lt. palästinensischem Gesundheitsminister wurden in der vergangenen Woche fünf Palästinenser getötet, ca. 750 verletzt.

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Schwere Auseinandersetzungen in Sho’fat. Foto: Palestine Today TV

Zu schweren Auseinandersetzungen kam es im Flüchtlingslager Sho’fat im besetzten Ostjerusalem. Dort rückten israelische Soldaten an, vermutlich um das Haus der Familie des 15-jährigen zu zerstören, der am Mittag zwei Israelis mit seinem Messer verletzt hatte. In den Kämpfen mit der lokalen Jugend wurde ein Palästinenser durch einen Schuss direkt ins Herz getötet, 35 Palästinenser wurden verletzt. Nach israelischen Berichten wurden auch 9 Soldaten verletzt.

Ein Video der AFP von den gestrigen Auseinandersetzungen bei Ramallah wurde auch von der deutschen Presse aufgegriffen, hier die Süddeutsche über „Israelis, die sich als Araber verkleiden

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Mittwoch, 07. Oktober 2015

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Foto: Thaer Abu Bakr – WAFA News

Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern setzten sich Dienstag Nacht fort. In Jenin wurden sechs Palästinenser gekidnappt, in Hebron zwei verwundet.
Während protestierende Palästinenser israelische Sicherheitskräfte weiterhin exzessiver Gewalt beschuldigten, versuchten auch extremistische Siedler, weiter mit zu mischen: Dutzende versuchten, in ein Dorf bei Qalqilia einzudringen, wurden aber von Einwohnern zurück geschlagen. Bei Nablus blockierten israelische Extremisten die Hauptzufahrt eines Dorfes mit Felsblöcken.

Von einem Siedler schwer verletzt wurde am Mittwoch eine 18-jährige Palästinenserin in der Jerusalemer Altstadt. Der Siedler behauptete, die junge Frau habe ihn mit einem Messer angegriffen. Dem widersprachen allerdings Augenzeugen: die junge Frau habe weder ein Messer noch eine Waffe getragen, sei allerdings  von dem Siedler beschimpft und beleidigt worden. Er habe ihren Hijab abgerissen und als er ihren Kopf wieder bedecken wollte, sie ihn aber zurück gest0ßen habe, habe er auf sie geschossen.

In Tel Aviv wurde ein siebzehnjähriger Palästinenser erschossen, der einem israelischen Soldaten die Waffe entwendet hatte. Nach israelischen Medien habe der Palästinenser mit dem Soldaten gerangelt, wobei der Soldat eine leichte Kopfverletzung erlitten habe.
Es kam zu einem kurzen Feuerwechsel in dem Gebäude, in das der Palästinenser geflohen war, dabei wurde er erschossen.

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Israelische Soldaten und Undercover-Agenten bei ihrem Angriff in Ramallah

Zu mindestens drei verletzten Palästinensern kam es bei einer Studentendemonstration in Ramallah, die  sich in Richtung eines Checkpoints der israelischen Besatzungsarmee bewegte. Daran beteiligt waren außer israelischen Soldaten auch maskierte Undercover-Agenten. Die Israelis eröffneten das Feuer auf die Studenten der Bir-Zeit-Universität, dabei wurde einer in den Kopf getroffen. Angesichts der Schwere der Verletzung besteht die Befürchtung, dass er nicht überlebt hat.
Die Verletzten wurden von den Israelis fort geschleppt. Von dieser brutalen Aktion hat RT ein Video veröffentlicht.

In Bethlehem wurden zwei palästinensische Einwohner bei Auseinandersetzungen mit Siedlern und Armee durch Schüsse verletzt, einer davon schwer.

Am frühen Mittwoch Morgen wurden im Bezirk Hebron 22 Palästinenser gekidnappt, darunter mehrere Kinder unter 14 Jahren.

In Jerusalem und Nablus wurden mindestens 11 Palästinenser gekidnappt, darunter auch Kinder. In Jerusalem wurde eine Palästinenserin von israelischen Kräften bis zur Bewusstlosigkeit traktiert.
Bei den Hausdurchsuchungen wurden auch zahlreiche palästinensische Flaggen entfernt, die die Bewohner auf den Dächern gehisst hatten.

Aus offiziellen israelischen Armeekreisen verlautete gestern, die Tötung des gestern beerdigten 13-jährigen Abed al-Rahman Obeidallah im Aida Flüchtlingslager sei ein Fehler gewesen, unabsichtlich geschehen.

 

Währenddessen verurteilte UN-Generalsekretär Ban Ky Moon die Tötung von vier Palästinensern, darunter Obeidallah und verlangte eine Untersuchung der Vorfälle. Weiter erklärte er, „dass er nicht glaube, dass die Zerstörung palästinensischer Häuser oder der Bau neuer israelischer Siedlungen auf besetztem palästinensischem Land irgend etwas anderes bewirken wird als die Spannungen weiter anzuheizen.“

Laut Times of Israel“ überlegen die USA weiterhin, ob sie ihre automatische Veto-Position gegenüber israelkritischen Resulutionen des Sicherheitsrates fortführen wollen. Sie warnten Israel, sollte die Antwort auf die Spannungen darin bestehen, neue Siedlungen zu bauen, würden die USA eine diese als illegal brandmarkende Resolution nicht blockieren.

Bemühungen, eine 3. Intifada zu verhindern, scheinen Folgen zu haben.
Nachdem Palästinenserpräsident Abbas gestern seine Sicherheitskräfte instruierte, weitere Eskalation zu verhindern, hat lt. Worldbulletin Israel heute Zugangsbeschränkungen zum Brennpunkt el-Aqsa für Palästinenser aufgehoben.
Die 2. Intifada von 2000 bis 2005 kostete ca. 3.500 Palästinenser und 1.036 Israelis das Leben.

Kommentar:
Man wird wohl massiven internationalen Druck vor allem auf Israel annehmen dürfen, um eine 3. Intifada zu verhindern, insbesondere angesichts der kriegstreibenden Äußerungen israelischer Rechtsradikaler, darunter auch Minister.
Langsam scheint sich auch auf eher pro-israelischer Seite herum zu sprechen, dass das Hauptproblem des Palästina-Konflikts derzeit die israelischen Rechtsradikalen, vor allem Siedler, sind, die den Konflikt durch Wort und Tat beständig anheizen.
Das Problem besteht freilich darin, dass Netanyahu aus Gründen des Machterhalts diese Rechtsradikalen hofiert hat, die nun genau das tun, was Rechtsradikale immer tun: ihre Ideologie um so aggressiver durchsetzen und damit die gesamte Gesellschaft infizieren. Es ist sogar anzunehmen, dass Israel inzwischen die Aggressivität seiner Rechtsradikalen mehr fürchtet als die Palästinenser, besteht doch kaum Zweifel, dass eine Räumung des Westjordanlandes zum inner-israelischen Bürgerkrieg führen könnte.
Nichts desto trotz ist es Israels Problem, damit fertig zu werden. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, denn eine von ihr zugelassene Einstaatenlösung wäre zumindest langfristig Israels Ende.
Viel Zeit bleibt nicht mehr.

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3. Intifada? Dienstag, 06.10.2015

Tausende rechtsradikale Israelis, unter ihnen Parlamentarier sowie Verkehrsminister Haim Katz und Tourismusminister Yariv Levin, versammelten sich am Karte der SiedlungenMontag vor dem Haus von Premierminister Benjamin Netanyahu und verlangten, mehr Land zwecks Expansion der israelischen Kolonien im besetzten Westjordanland zu stehlen.
Diese Karte des Westjordanlandes zeigt die bereits bestehenden israelischen Siedlungen (blaue Punkte) und in kräftigem Orange die Gebiete, zu denen der Zugang für Palästinenser entweder beschränkt oder gänzlich unmöglich ist. Es handelt sich um das Territorium, das nach den Oslo-Verträgen von 1993, an die Palästinenser-Präsident Abbas sich nun auch nicht mehr gebunden fühlt, zusammen mit Gaza und dem besetzten Ostjerusalem den Staat Palästina unter alleiniger palästinensischer Hoheit bilden sollte.

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Israelische Soldaten bei nächtlicher Razzia in Jenin / Palästina

Dienstag Nacht drangen israelische Soldaten in mehrere palästinensische Ortschaften ein, brachen in Häuser ein, durchsuchten sie und kidnappten mindestens 11 Palästinenser. Dabei gerieten sie mit der lokalen Jugend aneinander, auf die sie Tränengasgranaten und Gummigeschosse feuerten.
Ein Haus wurde in der Absicht, einen Jugendlichen zu kidnappen, durchsucht. Der konnte jedoch entkommen; also kidnappten die Soldaten statt dessen seinen Vater.

In Hebron kidnappten israelische Soldaten ein taubstummes Kind.

Am Qalandia-Checkpoint zwischen Jerusalem und Ramallah wurden bei Auseinandersetzungen mit protestierenden Jugendlichen vier Palästinenser verletzt; einer ist wegen einer Schussverletzung mit scharfer Munition im Kopf in kritischem Zustand. Zwei wurden durch gummiummantelte Geschosse ins Bein getroffen, einer ins Gesicht. Auch ein Journalist wurde mit Schussverletzung im Bein ins Krankenhaus eingeliefert.

Im Aida-Flüchtlingslager im Norden Bethlehems wurde der gestern von einem israelischen Scharfschützen erschossene 12-jährige Abdul-Rahman Obeidallah beerdigt.
Nach der Beerdigung marschierte die lokale Jugend zur israelischen Mauer und dem nahen Checkpoint, wo sie von israelischen Soldaten mit gummiummantelter und scharfer Munition und Tränengasgranaten empfangen wurden. Es gab etliche Verletzte.

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Von Israel zerstörtes palästinensisches Wohnhaus (MaanImages)

Dienstag Morgen zerstörten israelische Kräfte zwei palästinensische Wohnhäuser im besetzten Ostjerusalem mit Sprengstoff. Sie gehörten den Familien zweier als Attentäter Erschossener, einer davon im  November letzten Jahres. Auch benachbarte Häuser wurden dabei beschädigt. In einem weiteren Haus wurde das Zimmer eines weiteren als Attentäter Erschossenen mit Zement gefüllt, seine dort wohnhafte Familie fort gebracht.
Das palästinensische Zentrum für Menschenrechte PCHR bezeichnete dies als Sippenhaft und weist darauf hin, dass diese Praxis gemäß Artikel 33 der IV. Genfer Konvention verboten ist.

Montag Nacht wurden fünf Mitglieder des militanten Flügels der Hamas verhaftet, die angeblich das Attentat auf das israelische Ehepaar von Anfang Oktober gestanden haben. Netanyahu erklärte, es gäbe für die Aktivitäten der Sicherheitskräfte keine Beschränkungen. Laut AFP stehe er unter Druck der Rechtsradikalen in seiner Koalition, weil er nicht genug täte, den palästinensischen Widerstand niederzuschlagen.

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Palästinensische Jugendliche in Nablus errichten vor dem Eintreffen israelischer Soldaten Barrikaden (Wafa Photo)

Die Jugendbewegung in den besetzten Gebieten von 1948 erklärte den kommenden Donnerstag zum Tag des Zorns in Nazareth. Die Studentenbewegung der Nationalen Demokratischen Allianz rief die palästinensischen Massen auf, sich daran zu beteiligen.

Laut palästinensischem Gesundheitsminister wurden heute insgesamt rund 129 Palästinenser in verschiedenen Teilen der Westbank durch Schüsse und Tränengasgranaten der israelischen Armee verletzt.
Der Minister beklagte, dass israelische Soldaten offenbar vorsätzlich auf Journalisten und Sanitäter zielten, aber auch schon mal auf Ambulanzen.

Hier noch Videos aus Jaffa, wo hunderte Palästinenser an einem Demonstrationszug gegen israelische Gewalt und die Übergriffe auf el-Aqsa demonstrierten und von israelischen Kräften angegriffen wurden.

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